KMU-Insolvenzen in Österreich
Österreich liegt im europäischen Insolvenzranking unter den TOP 3 — mit einem Anstieg der Firmenpleiten um 23 % im Jahr 2023. Was steckt dahinter, welche Branchen sind am stärksten betroffen und warum sind KMU besonders vulnerabel?
Der Trend: Steigende Insolvenzen seit COVID
Nach dem künstlichen Rückgang während der Pandemie (staatliche Stützungsmaßnahmen) stiegen die Insolvenzen seit 2022 stark an — auf ein Niveau über dem Vor-Corona-Durchschnitt.
Nicht eröffnet
Eröffnet (Normal)
Nicht eröffnet (COVID)
Eröffnet (Nachholeffekt)
Die COVID-Pandemie führte paradoxerweise zu einem temporären Rückgang der Insolvenzen — staatliche Hilfsmaßnahmen und Stundungsmöglichkeiten hielten viele angeschlagene Unternehmen künstlich am Leben. Seit 2022 holt die Realität die Wirtschaft ein: Die aufgestauten Insolvenzen entladen sich mit Verzögerung, verstärkt durch steigende Energiekosten, Inflation und den Wegfall von Unterstützungsmaßnahmen.
Krisen entstehen nicht über Nacht
Unternehmensinsolvenzen sind selten plötzliche Ereignisse — sie entwickeln sich typischerweise über Jahre. Die Forschung unterscheidet fünf Krisenphasen. (Wallner 2023, Bachelorarbeit)
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Die Insolvenzanfälligkeit variiert stark nach Branche. Der Bausektor und die Gastronomie zählen dauerhaft zu den Risikofeldern. Quelle: Wallner (2025) Masterarbeit · KSV1870-Datensatz 1996–2023.
Hinweis: Relative Einstufung auf Basis der Branchenanalyse des KSV1870-Datensatzes (Wallner 2025). Absolutzahlen variieren je nach Branchengröße.
Was passiert wenn ein KMU insolvent wird?
Insolvenzen treffen nicht nur die betroffenen Unternehmer — sie haben weitreichende Folgen für Gläubiger, Beschäftigte und die regionale Wirtschaft. (Wallner 2023)
Kreditausfallrisiken
Banken und Lieferanten verlieren oft den Großteil ihrer Forderungen. Kreditinstitute müssen erhöhte Wertberichtigungen bilden. Lieferanten erleiden Zahlungsausfälle, die ihre eigene Liquidität gefährden können.
Jobverluste & Unsicherheit
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, oft mit kurzer Vorwarnzeit. Ausstehende Löhne werden durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds abgesichert — jedoch nur begrenzt und mit Verzögerung.
Regionale Ketteneffekte
Insbesondere in strukturschwachen Regionen können Insolvenzen lokaler KMU zu Kettenreaktionen führen. 705.000 Arbeitsplätze stehen allein bei den nächsten Unternehmensübergaben auf dem Spiel.
Insolvenzentwicklung Europa 2023
Österreich lag 2023 beim Insolvenzanstieg unter den höchsten Werten Europas — während andere Länder wie Malta eine deutlich positivere Entwicklung verzeichneten.
| Land | Insolvenzveränderung 2023 | Neugründungsveränderung | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Schweden | +30,0 % | +1,6 % | Kritisch |
| Österreich | +23,2 % | −4,7 % | TOP 3 Europa |
| Deutschland | +20,2 % | −12,4 % | Kritisch |
| Frankreich | +17,4 % | +5,7 % | Angespannt |
| Italien | +19,0 % | +3,3 % | Angespannt |
| Niederlande | +30,3 % | −4,1 % | Kritisch |
| Irland | +0,0 % | +32,1 % | Stabil |
| Malta | −65,4 % | k.A. | Sehr positiv |
Quelle: Eurostat (2025) · Wallner (2025) Masterarbeit
Wie können Insolvenzen frühzeitig erkannt werden?
Frühzeitige Identifikation von Insolvenzen ist für Unternehmen, Banken und Politik von zentraler Bedeutung — genau hier setzt die Insolvenzprognoseforschung an.
Unser Forschungsprojekt entwickelt Prognosemodelle für österreichische Bau-KMU
Auf Basis von 24.894 Unternehmen und 1.990 Insolvenzfällen (KSV1870, 1996–2023) werden klassische statistische Methoden und Machine-Learning-Ansätze systematisch verglichen — über vier Prognosezeiträume (1 Jahr bis 10 Jahre vor Insolvenz).
„Die steigende Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit der COVID-19-Pandemie unterstreicht die Relevanz präziser Prognoseinstrumente, die spezifisch auf KMU ausgerichtet sind.“